Web 2.0 Kongress - Kommunikation im Web

Geschrieben am 25.09.2006

Der bisher beste Vortrag des Tages kommt von Martin Oetting. Zehn populäre Irrtümer des viralen Marketings nimmt Oetting unter die Lupe. Dabei wird deutlich, dass virales Marketing nicht aus ein paar lustigen Filmchen besteht, sondern dass ein Unternehmen, wenn es als Marke im Web 2.0 existent sein will, mit seinen Kunden und Konsumenten kommunizieren muss. Dabei unterteilt Oetting Viral Marketing in drei Kategorien.

1. Ansteckende Produkte/Dienstleistungen (z.B. VW Beetle, i-Pod)
2. Ansteckende Beziehungen (Microsoft “Windows Vista”)
3. Ansteckende Werbung (Burger King “Subservient Chicken”)

Die Kommunikation über die Marke ist laut Oetting kaum noch kontrollierbar, denn die Produktionsmittel und Distributionskanäle sind heute für Jeden verfügbar (Computer, Internet, Foren/Communities/Blogs). Das bedeutet, dass virale Kommunikation viel Arbeit ist und eine grundlegende Einstellung des Unternehmens darstellen sollte. Nur dann können Kunden an der Marke partizipieren, indem sie sie empfehlen und sogar weiterentwickeln.
PR Blogger Klaus Eck schließt an den vorangegangen Vortrag an, indem er über die Bedeutung von Blogs für die Unternehemenskommunikation spricht. Gute Corporate Blogs kommunizieren offen und authentisch. Sobald Kommentare zensiert werden, kein Dialog entsteht oder das Unternehmen sich anbiedert entstehen negative Effekte. Aber auch wenn diese Fehler begangen werden (wie bei Direct2Dell), können sie schnell ausgebessert werden und eine positive Reputation des Unternehmensblogs wird wieder erreicht.

Die Vorteile der Kommunikation im Web 2.0 sind laut Eck eine schnelle, flexible und authentische Kommunikation, in der die Kunden ernster genommen werden.

Insgesamt zwei sehr spannende Vorträge, die zeigen, wie sich die werbliche Kommunikation durch das “soziale” Netz ändert.

Liveblogging vom Chance Web 2.0 Kongress

Geschrieben am 24.09.2006

Morgen findet der Chance Web 2.0 Kongress in Köln statt. Ich werde als Liveblogger dabei sein. Bin gespannt, wie “live” ich bloggen werde - dies ist mein erster Versuch. Es wird einen Raum mit Internetanschlüssen für die Blogger geben, daher werden die Posts etwas zeitversetzt nach den einzelnen Beiträgen auf dem Kongress veröffentlicht. Ich bin sehr gespannt; es sind einige sehr interessante Referenten dabei.

ARGggggh!

Geschrieben am 19.09.2006

Jedes zweite Blog, das ich zur Zeit lese, schreibt über Alternate Reality Games. Bis vor kurzem hatte ich keine Ahnung was das ist, obwohl ich mich seit einiger Zeit mit alternativen Kommunikationsformen beschäftige.

Wikipedia definiert ein ARG so:

“Als Alternate Reality Game (Kurzform: ARG) bezeichnet man ein auf verschiedene Medien zurückgreifendes Spiel, bei dem die Grenze zwischen fiktiven Ereignissen und realen Erlebnissen bewusst verwischt wird. Häufig wird es zur Bewerbung eines neues Produktes oder einer neuen Dienstleistung verwendet, ohne dieses direkt anzupreisen.”

Zur Zeit gibt es zwei erwähnenswerte ARGs. Erstens “Hustle the Sluff”, einer Aktion von VM-People hinter der sich die Telekom verbirgt. Zweitens: die mysteriöse Geschichte um Philipp Retingshof hinter der die Popakademie Baden-Württemberg und Virgin Music stecken, die das neue Album der Popgruppe Enigma promoten.

Hört sich erstmal gut an. Scheint ja auch spannend zu sein, wenn man sich so die Posts der vergangenen Wochen anschaut. Die Frage, die ich mir dabei jedoch stelle: ist das Ganze auch sinnvoll?

Zwar schreiben alle möglichen Blogs über die Geschichten. Aber man muss sich schon wirklich intensiv mit den Inhalten der ARGs beschäftigen, um überhaupt zu verstehen, worum es geht. Ich lese einige Blogs, aber ich hatte keine Lust mich durch eine seitenlange Story zu wühlen. Es hat mich einfach nicht so interessiert. Der Aha-Effekt bei der Auflösung war dann entsprechend gering. Diese Spiele erreichen meiner Meinung niemanden außer den Bloggern selbst, die daran beteiligt werden. Für alle anderen hat es keinen Wert, es ist schwer nachzuvollziehen und somit langweilig.

Wie der Name schon sagt, es handelt sich um ein Spiel. Eine wirkungsvolle Kommunikationsform ist es (noch) nicht.

Fernsehen ohne Werbung

Geschrieben am 01.09.2006

Werbung im Fernsehen nervt. Bei Aufnahmen kann man sie zwar rausschneiden, aber das ist viel Arbeit. Systeme, die Werbung automatisch erkennen, galten bisher als unzuverlässig. Wissenschaftler der TU Berlin haben jetzt ein Verfahren entwickelt, mit dem Werbung zuverlässig und in Echtzeit erkannt wird. Das ist vor allem für den Markt der digitalen Videorekorder interessant. Diese Technologie unterstützt somit eine Entwicklung, in der der herkömmliche TV-Spot immer mehr an Bedeutung verliert. Das hat zur Folge, dass sich Agenturen und Unternehmen langsam von ihrem Lieblingsmedium verabschieden müssen und nach neuen Kommunikationswegen suchen müssen. Leider ist von so einer Entwicklung bisher noch wenig zu spüren. Zwar sprechen im Moment alle von Guerilla und Viral Marketing, aber was dabei wirklich rauskommt ist meist enttäuschend.

Aber woran liegt das? Sind wirklich die konservativen Auftraggeber schuld (wie die Agenturen regelmäßig berichten)? Oder haben die meisten Werber schlicht keine Ahnung von neuen Kommunikationsmitteln? Sind sie zu faul, die ausgetretenen Wege zu verlassen und sich auf etwas Neues einzlassen? Eine gute Agentur führt einen Kunden, bringt neue Ideen ein und geht auch mal gegen Widerstände an. Aber genau davor haben die Agenturen Angst - lieber werden tausende Euros in Spots gesteckt und viel Geld mit klassischer Werbung verschwendet, als dass ein Risiko bei der Kreation neuer Kommunikationsmittel eingegangen wird.

So, genug gemotzt…

PR und Werbung

Geschrieben am 03.08.2006

Was ist wichtiger PR oder Werbung? Welche Maßnahmen sind PR, welche sind Werbemaßnahmen? Fragen, auf die niemand eine valide Antwort hat. Aus gutem Grund. Denn die Trennung von Werbung und PR macht zumeist keinen Sinn. In einer gut gemachten, sogenannten integrierten Kampagne sind beide kommunikative Maßnahmen wichtig. Der gezielte Einsatz beider Instrumente (und noch vieler anderer) unter einer Leitidee sorgen dafür, dass die Botschaft die geliebte Kundschaft erreicht.

Es reicht nicht ein paar Plakate zu gestalten und einen netten Spot zu produzieren. Genauso wenig genügt es bei einigen Zeitschriften anzurufen, in der Hoffnung die Marke im redaktionellen Beitrag unterzubringen. Was wirklich wichtig bei der Kommunikation, ist das Zusammenspiel der einzelnen Maßnahmen, die wie die Teile eines Puzzles ein Ganzes ergeben. Der PR-Guru Richard Edelman hat dafür sogar schon ein neues Wort gefunden: Conversational Advertising. Das mag erstmal nur ein neues Buzzword aus dem Marketing sein. Aber wenn Unternehmen es schaffen, eine Unterhaltung über ihre Marken mit den Konsumenten zu führen (nicht nur in Blogs) und in einen ernsthaften Dialog mit ihren Käufern treten, dann ist das die beste Werbung, die es für ein gutes Produkt gibt. Die Leute reden drüber, empfehlen es weiter, identifizieren sich damit und wollen es kaufen. Für alle schlechten Produkte funktioniert das natürlich nicht. Sie müssen leider weiterhin schlechte Werbung schalten, in der sie ominöse Produktversprechen geben.

Angestoßen und diskutiert wird das Thema beim Werbeblogger.